Heute muss ich alles was ich so lapidar vor zwei Tagen über Kaikoura gesagt habe zurück nehmen. Belinda und ich sind uns einig, Kaikoura könnt unsere neue Nummer 2 in Neuseeland werden.
Aber fangen wir vorne an.
Nach dem Frühstück rufen wir spontan bei „Wings over Wales“ an und erkundigen uns ob noch ein Flug für die ganze Familie zu bekommen ist und was dieser kostet. Wer sich für die Kosten interessiert darf mich gerne ansprechen, billig ist es natürlich nicht, aber im Nachhinein gesehen war es jeden Cent wert.
Und siehe da, trotz wolkenlosem Himmel und perfektem Flugwetter gibt es kaum Anmeldungen und wir bekommen einen der ersten Flüge um 11 Uhr.
Schnell noch ein Käffchen aus dem Plunger und los gehts.
Die Start- und Landebahn liegt genau neben unserem Campinglatz und so müssen wir nur 1 Minute fahren, wir hätten eigentlich auch laufen können.
Erst einmal fällt mir auf daß direkt an dem kleinen Flughafen ein Schild hängt, auf dem die Wal Flüge für ca. 30% günstiger angeboten werden. Bin ich etwa in eine Touri Falle getappt? Nein, alles gut, der günstigere Preis gehört zu einer anderen Charter Gesellschaft und die sieht auf den ersten Blick nicht halb so vertrauenserweckend aus wie „Wings over Wales“ und auch einganzes Stück schäbiger. Trotzdem wäre ich auch mit denen geflogen, ohne mit der Wimper zu zucken. Wir bleiben bei unserer Entscheidung und schreiten erhobenen Hauptes in das schicke, kleinen, vollkommen in Holz erbaute Flughafengebäude. Dort werden wir freundlich begrüßt und direkt auf die Wage gestellt. Na hören Sie mal…
Aber das scheint alles seine Richtigkeit zu haben. Nach einer kurzen Schulung über Wale steuern wir das kleine Flugzeug an. Es bietet Platz für ca. 8 Personen, heute sind wie aber ganz unter uns. Yippie.
Ich unterziehe alle Kameras einem kurzen Funktionstest. Spiegelreflex – Check! GoPro – Check! Handy Cam – Check!
Dann geht es los. Wir heben ab und beginnen das Meer unter uns zu sondieren. Das Flugzeug liegt relativ ruhig in der Luft und glücklicherweise muss sich keiner oral entleeren.
Als ich schon langsam resigniere, taucht auf einmal ein grauer Fleck vor uns im Wasser auf (ich habe ihn entdeckt, ich ganz alleine :-)). Es ist ein Spermwale!? Sperma Wal!? Keine Ahnung, die deutsche Übersetzung liefere ich nach, ich denke aber es ist ein Grauwal.
Und dieser Wal hat „Sitzfleisch“. Gestandene 10 Minuten sonnt er sich an der Wasseroberfläche, pustet hin und wieder eine Fontaine in die Luft und tut all das war wir von einem Wal erwarten würden. Schlussendlich taucht er auf walisch dramatische Weise steil ab in die Tiefe und wie sind seelig und Tom schläft :-(. Ein teures Schläfchen.

Doch die Wal Sichtung war nicht alles was dieser Flug zu bieten hat. Auf dem Rückweg überfliegen wir noch einen Delfinschwarm von bestimmt 1000 Tieren und das ist nicht übertrieben! Sie toben, sielen, springen und veranstalten Wettrennen. Von oben sieht es aus wie ein … ja wie eigentlich … ich habe sowas bisher nicht einmal auf Bildern gesehen. Es wuselt und wimmelt und wir sind schon wieder begeistert.
…BILD FOLGT …
Mit einem Breiten Griensen steigen wir aus und ich realisiere daß ich vor Aufregung vergessen hatte die GoPro einzuschalten, macht aber nichts, Belinda hatte ja auch noch ein Handy dabei und ich hatte noch zwei weitere Kameras im Anschlag.
Doch das war für heute noch nicht alles. Wir fahren spontan auf die für ihre Seelöwen bekannte Landzunge in Kaikoura. Schon auf dem Weg zur den Seelöwen entdecke ich eine ganz andere Seite von Kaikoura. Entlang der Landzunge erstreckt sich ein schöner Sandstrand, entlang einer von (ich vermute) Platanen gesäumten Allee. Hier und da ein kleiner fahrender Laden, der organic Coffee oder Burger, Kuchen oder Seafood verkauft. Die Leute denen wir begegnen sind super entspannt, die Meisten hier sind irgendwie sportlich aktiv, Surfer, Radfagrer, Wanderer, alles was das Sportlerherz begehrt. Leider muss ich feststellen daß wir das Seafood Festival gerade verpasst haben und daß das Crafts Beer Fest am Abreisetag stattfindet. Aber eines steht fest, hier ist richtig was los und Charme hat das kleine Örtchen auch.
Belinda möchte mit den Kindern eine kleine Wanderung unternehmen, in der Hoffnung den einen oder anderen Seelöwen zu entdecken. Ich beschließe meine Erkältung im Camper aus zu kurrieren.
Als Belinda mit den Kindern gerade auf der ersten Anhöhe angekommen ist, bekomme ich doch Hummeln im Hintern und steige aus. Als ich so meinen Blick schweifen lasse sehe ich daß direkt vor uns, vielleicht 200 m Luftlinie, die ersten Seelöwen ihre braunen, pelzigen Körper in der Sonne bräunen. Über Funk – ja wir haben Funkgeräte dabei – informiere ich Belinda über meinen Fund. Die entscheidet aber ihre Wanderung erst einmal fortzusetzen.
Da meine Kondition noch keine allzu ausdauernden Erkundungen zulässt, setze ich mich auf eine Bank am Ufer, als sich plötzlich direkt neben mir etwas zwischen den Felsen hervor, gen Parkplatz robbt. Und siehe da es ist ein Seelöwen Männchen. Er glotzt mich an und verschwindet dann in das Schattige Kühl des Gebüschs neben mir. Ich kann es kaum fassen und kurz darauf steht auch Belinda mit den Kindern neben mir. Gemeinsam können wir das Schauspiel noch einmal mit erleben, als erneut ein Seelöwe (ich denke diesmal ein Weibchen) den Hang hoch klettert und direkt auf dem Hölzernen Wanderweg Platz nimmt.

Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand begeben wir uns wieder zum Campingplatz, wo wir wieder die Familie von gestern treffen und die Kinder (75% davon Waldkinder, 25% angehende Waldkinder) gemeinsam los ziehen und im „Dreck“ spielen.
Und dann passierte es, ein Erdbeben. Ich sitze im Camper und tippe, als ich denke da steht jemand auf der Türschwelle, denn das Auto wackelt. Ich halte Inne, aber niemand tritt ein. Kurz darauf steht Belinda in der Türe und fragt aufgeregt ob ich es denn auch gespürt hätte. Ich kapiere erst gar nichts, dann macht es irgendwann Klick. Es war eine 4,8 auf der Richter Skala.
